Der gute Grund für das Tun und Leiden in allen pfarramtlichen Aufgaben ist gelegt: Jesus Christus (1.Korinther 3,11). Seine Geburt, sein Sterben und seine Auferstehung wurden möglich, weil nichts von dem, was sein und werden kann, ohne den Willen des Schöpfers geschieht. Die sichtbare und die unsichtbare Welt ist kein Werk eines fremden, unfähigen oder böswilligen Gottes. Und obgleich sich der Schöpfer von seiner Schöpfung abwenden und die Völker willkürlichen, zerstörerischen Mächten preisgeben kann, so gilt doch seine Zusage, dass sich keine Macht über seinen Willen erheben kann.
Jesus selber hat dafür gesorgt, dass seine Jünger mit realistischen Perspektiven und gehalten von einer elementar struckturierten Ordnung an das Werk gehen konnte, in das er sie geschickt hat: Ausgehend von Jerusalem und Galiläa und Samaria bis an die Enden der Erde unter allen Völkern in seinem Namen die Vergebung der Sünden zu verkündigen (Lukas 24,47; Apostelgeschichte 1,8).
Sichtbar und greifbar wird das in den beiden Handlungen, die Jesus seinen Jüngern anbefohlen hat: Taufe und Abendmahl. Durch diese weltgeschichtliche einmaligen Setzungen ist er selber unter den Menschen am Werk und sorgt dafür, das jeder Einzelne in seiner einmaligen Persönlichkeit mit ihm verwachsen kann und viele gemeinsam Anteil bekommen, was er für sie erworben hat. Was in den Karikaturen dieses Werkes, in den Individualismen und Kollektivismen der wechselnden Zeiten zu einem tödlichen Programm wird, lässt er zum ewig Guten wirken für diejenigen, die Gott lieben (Römer 8,28).
Das Pfarramt verdankt seinen Nimbus und seine ordnende Kraft zuerst und zuletzt der Tatsache, dass den Amtsträgern das Privileg zugestanden wurde, diese beiden, ausdrücklich von Jesus „eingesetzten“ Handlungen zu vollziehen. Das machte aus ihrem Amt und damit aus der Gemeinschaft des Glaubens eine „Institution“. Menschen erhielten die Möglichkeit, gewohnheitsmässig und sehr anschaulich als „die Verwalter der Geheimnisse Gottes“ zu wirken (1.Korinther 4,1). Das unterscheidet die Stellung aller kirchlichen Amtsträger kategorial von derjenigen der Apostel, die ausdrücklich kein solches Privileg für sich in Anspruch nahmen (1.Korinther 1,14-17). Verständlicherweise wurde das innere Recht einer solchen Privilegierung deshalb je wieder in Frage gestellt. Doch obgleich ihr keine neutastamentliche Aussage ausdrücklich das Wort redet, steht sie doch nicht in Widerspruch zu dem, was die heiligen Schriften vorgeben und fordern.
Im Licht dieser biblischen Vorgaben erscheint das Pfarramt als ein Erweis der Gnade Gottes, die sich in Raum und Zeit den Menschen darbieten will.