Mani Matter: Die Kirche verhindert das Bibellesen

Von seine Sorge um die Schaffens- und Tragkraft der modernen, pluralen Gesllschaftsordnung umgetrieben, interessierte sich der Berner Liedermacher Mani Matter zunehmend für die Botschaft des Evangeliums.
Er stellt früh schon fest, dass die Amtskirche dazu tendiert, die Bibel für sich zu vereinnahmen und damit von einer befruchtenden Lektüre abzuhalten. Er notiert in seinem Notizheft:

Heft/Tagebuch II, 1962

Warum kommen aus der Kirche denn so gar keine schöpferischen Impulse? Es gibt verschiedene geistige Quellen. Das Christentum ist eine davon. Wenn nun jedermann sieht, welch gewaltige Organisation darum herum aufgebaut ist, wie viele Menschen damit beschäftigt sind, wieviel Literatur darüber fabriziert wird und wie dennoch so wenig Schöpferisches zu spüren ist, so wird man allmählich anfangen zu glauben, die Quelle gebe eben nichts her; sie sei ausgeschöpft. Dann wird aus dem Christentum eine leere Konvention. Und die Kirche wird es zugrunde gerichtet haben. Denn wenn die Bibel keinen solchen Apparat um sich herum hätte, wäre sie ein Buch wie jedes andere; und würde gewiss auch gelesen und regte gewiss auch die Produktion an. Heute hat man aber das Gefühl, die Bibel sei Sache der Pfarrer, sie werde schon genügend beackert; und wenn nichts daraus entspriesst, so ist man, wie gesagt, versucht zu schließen, sie gebe offenbar nichts mehr her.