Das Versagen der Theologie

In ihrem 2019 publizierten „Manifest zur Erneuerung der Theologie“ beschreiben die beiden renommierten Theologieprofessoren Miroslav Volf und Matthew Croasmun von der Yale-Universität den dramatischen Bedeutungsverlust der wissenschaftlichen theologischen Arbeit. Zu Recht konstatieren sie, dass er zu einem grossen Teil verursacht ist dadurch, dass die akademischen Lehrer nicht zur Kenntnis nehmen, was die Praktiker in ihrer alltäglichen Arbeit erfahren. Die Theologen schreiben Bücher, die kaum jemand liest, weil sie nur dazu dienen, die eigene akademische Karriere zu sichern.
Auch Volf und Croasmun entfalten dann aber ihre Vorschläge zur Erneuerung der Theologie ohne einen Austausch mit den Praktikern.
So wiederholen sie den Fehler der grossen Theologen des letzten Jahrhunderts, den Eberhard Hübner bereits in seiner Studie von 1985 aufgedeckt hatte: Sie können die Kluft zwischen Theologie und Empirie nicht schliessen.
Ihr (von massgeblichen kirchlichen Würdenträgern hochgelobtes) „Manifest“ wurde deshalb zu einem Rohrkrepierer. Es gab keinen Anlass zu leidenschaftlichen Debatten und steht damit exemplarisch für das Versagen der neueren akademischen Theologie.
Unten: Miroslav Volf 2007