Das Pfarramt. Ein gefährdeter Pfeiler der europäischen Kultur, Wien, Zürich, Münster, 440 Seiten, 2. Auflage 2009, ISBN 978-3-643-80026-8
Der erste Teil des Buches referiert die pastoraltheologischen Definitionen des Pfarramtes, die den Praktikern im Übergang in das 21. Jahrhundert den Weg gewiesen haben. Dabei zeigt sich, dass viele verschiedene Aspekte dieses Amtes zutreffend geschildert, gewürdigt und problematisiert worden sind. Aber auch, dass diese Darstellungen des Pfarramtes die Praktiker zu geradezu gegensätzlichen Berufspraktiken anleitet, und dass die Akademiker sich dispensieren von der Aufgabe, die Anliegen und Behauptungen ihrer Fachkollegen in ihre Verständnis zu integrieren oder mit nachvollziehbaren Argumenten als irreführend zu kritisieren. Die neuere Pastoraltheologie entlässt die Praktiker mit Handlungsanweisungen, die nicht zu Ende gedacht sind. Es ist typisch, dass einer der wichtigsten Stichwortgeber für das Verständnis des pfarramtlichen Dienstes, Ernst Lange, seinen Gedankenweg beschliesst mit der Feststellung von Widersprüchen, an denen er selber verzweifelt.
Der zweite Teil des Buches zeichnet nach, welche biblischen Vorgaben und soziale und kirchliche Anliegen dem Pfaramt seine Stellung und Wirkmöglichkeiten verliehen haben. Diese Darstellung muss sich ungewohnte Wege bahnen und gelangt zu unerwarteten Einsichten. Es zeigt sich aber: Die geschichtlichen Vorgaben des Pfaramtes, durch die ihm seine Aufgaben zugewachsen sind, lassen sich mit Hilfe einiger weniger Bibelworte erhellen und kritisch würdigen. Dadurch erhalten moderne Denkmuster (antiautoritäre Kritik, Gegensatz von individuell und kollektiv, Toleranz und Verbindlichkeit…) eine genuin biblische Deutung, die es möglich macht, das Recht und das Unrecht in diesen Begriffen zu erkennen und dies für ein am Auftrag orientiertes Schaffen fruchtbar zu machen. Den Praktikern verleiht das ein Urteilsvermögen, das sie vor Überforderung und Resignation bewahrt.
Insbesondere zeigt sich: Konsequent bedacht, leisten die Sakramebte Taufe und Abendmahl, was weder die empirisch argumentierenden Theorien über die Kirche noch die dogmatisch begründeten Ekklesiologie zu leisten vermochten: Sie schliessen die Kluft zwischen Dogma und Erfahrung. Denn nach dem klaren Wortlaut der heiligen Schriften erhebt Jesus Christus selber den Anspruch, dass er durch sie ordnend und deutend in das Leben der Menschen in Raum und Zeit greifen will.
Die Tatsache, dass viele dieser Erkenntnisse sich nicht in das etablierte akademische Wissen und den Mainstream der kirchenpolitischen Entscheidungend er letzten Jahrzehnte fügen, spricht nicht gegen, sondern für ihr Recht. Denn das kirchlichenamtliche Handeln und die akademische Lehre der jüngsten Vergangenheit waren bekanntlich nicht besonders erfolgreich.
Teile des Buches sind auf dieser Homepage (entsprechend den angezeigten Themen) abrufbar. Zum Studium der Darstellung empfiehlt sich aber der Kauf des Buches zum Preis von ca. CHF 20. Das Pfarramt, 2009
