Karl Löwith: Kreislauf oder Pfeil?

Der jüdische, lutherisch getaufte Philosoph Karl Löwith (1897-1973) hat umsichtig herausgearbeitet, dass die moderne westliche Welt nicht einfach „säkular“ ist. Im Gegenteil: Sie hat sich selber „sakralisiert“. In verschiedenen Variationen haben die Vordenker der Moderne aus der Botschaft Jesu ein Versprechen von einem innerweltlichen Reich der Gerechtigkeit und des Friedens gemacht. Löwith beschliesst das Nachwort seiner aussergewöhnlich erhellenden Studie „Weltgeschichte und Heilsgeschehen“ mit den Worten:

„Denn wie sollte man sich die Geschichte als einen kontinuierlichen Prozess in Form eines geradlinigen Fortschreitens vorstellen können, ohne die Unterbrechung durch einen terminus a quo und ad quem, d.h. ohne Anfang und Ende? Das moderne Geschichtsdenken hat darauf keine eindeutige Antwort. Es entfernt aus seinem fortschrittlichen Denken die christlichen Elemente der Schöpfung und Vollendung, während es sich aus der antiken Weltschau die Idee einer endlosen und kontinuierlichen Bewegung aneignet, ohne ihre Kreisstruktur zu übernehmen. Der neuzeitliche Geist ist unentschieden, ob er christlich oder heidnisch denken soll. Er sieht auf die Welt mit zwei verschiedenen Augen: mit dem des Glaubens und mit dem der Vernunft. Daher ist seine Sicht notwendigerweise trübe, verglichen mit dem entweder griechischen oder biblischen Denken.“

Sein Buch muss Pflichtlektüre für jeden Theologen (und jede Theologin) sein. Zum Schaden von Gemeinden, Kirchen, Universitäten ist es aber weitgehend unbekannt. Zu sehr stellt es die etablierten Denkgewohnheiten in Frage.

Dazu die Überlegungen eines deutschen Pfarrers und Doktors der Theologie:
Jochen Teuffel zu Karl Löwith

Karl Löwiths Buch im Buchhandel: Weltgeschichte und Heilsgeschehen