Von den sozialen und kirchen- und universitätspolitischen Voraussetzungen her ist damit zu rechnen, dass das Pfarramt keine Zukunft hat. Alle momentanen Entwicklungen tragen dazu bei, einsatzfreudige und mit Phantasie begabte Menschen von einem pfarramtlichen Dienst abzuhalten (oder aus ihm zu verdrängen). Dem Pfarramt werden kirchenrechtlich grosse und schwere Aufgaben zugeteilt, während seine Befugnisse und Freiheiten eingeengt werden. In den grossen Teams in den Kirchgemeinden diffundiert die Verantwortung; fromm kaschierte Machtinteressen und Kränkungen lähmend das Schaffen.
Dieser innere Zerfall des Pfarramtes wird seinen Teil dazu beitragen, dass die westlichen Länder sich in immer noch lähmenderen Spannungen verlieren.
Doch im geschichtlichen Rückblick ist ohne weiteres zu konstatieren: Das kirchliche Leben hat viele schwerwiegende Krisen gesehen hat und sich je wieder erneuert, oft auf unerwartete Weise. So wie schon das Volk Israel durch dramatische Umbrüche zu neuen Lebensformen gefunden hat.
Nichts hindert, dass erneut Menschen in den pfarramtlichen Dienst berufen sich hier oder dort Möglichkeiten erhalten oder neu stärken lassen, so dass bewähren und reifen und dadurch die nötigen Erkenntnisse gewinnen können, mit deren Hilfe sich das Evangelium auf eine erneut tröstende, ermutigende und befreiende Weise weitergeben lässt an zukünftige Generationen.
aus: Das Pfarramt, 2009, Ausblick:
Hilfreich für den Fortbestand und die Erneuerung des Pfarramtes wird sein, wenn
– die Ursachen für die momentanen Verwirrungen und Schwächen möglichst präzise erkannt und benannt werden,
– in den Gemeinden (und womöglich sogar an den Fakultäten und in den zentralen Kirchenämtern) die Grundlagen wertgeachtet und geschützt werden, die das alltägliche pfarramtliche Schaffen tragen,
– realistische Ziele für den Dienst am Wort ins Auge gefasst und mit der nötigen Ruhe und Kontinuität kommuniziert werden.