Der biblische Bericht über den Begründer des messianischen Königreichs, David, hält illusionslos fest: Macht korrumpiert. Auch alle Pfarrer waren und sind in steter Gefahr, dass ihre Macht sie verdirbt. Sei es, dass sie sich Menschen, insbesondere sozial einflussreichen, anbiedern, sei es, dass sie mit ihrem überlegenen Fachwissen Menschen hinabdrücken, oder auf viele andere Arten. Ein solcher dünkelhafter Anspruch ist im Pfarramt besonders schändlich. Denn er missbraucht die Stellung, die einem Mensch durch die Sakramente und also durch das Leiden Jesu zuwächst, um Ehre und Macht für sich zu gewinnen. Das Verständnis der Pfarrer als Experten, als Nachfolger der Apostel, als Propheten, als geweihte, als Manager, als Kenner der Seele oder als sonstwie herausragend Begabte verstärkt diese Versuchung der Macht.
Deshalb ist es zwar kränkend, aber heilsam, wenn sich die Pfarrer (und die Pfarrerinnen) eingestehen, dass sie zuerst einmal nur Beamte sind. Und dass sie zum wahrhaft Guten wirken können, nur wenn sie diese Macht dafür einsetzen, um den Menschen zu dienen mit dem, was ihre Ehre und Macht radikal in Frage stellt: Das Wort Gottes.
